Kritik am Konzept des Fair-Trade

Fair Trade ist ein Konzept, das kleinen Produzenten in Entwicklungsländern dabei helfen soll, gerechte Preise für ihre Produkte zu erzielen. Dabei wird den Produzenten ein Preis für die landwirtschaftlichen Produkte bezahlt, der über den Weltmarktpreisen liegt.

Obwohl die guten Absichten dieser Handelsform wohl außer Zweifel stehen, kommt es immer wieder zu Kritik an den Projekten, da sich nach Meinung der Kritiker der gewünschte Effekt von den tatsächlichen Auswirkungen stark unterscheide.

Fair-Trade: Großer Preisunterschied für den Kunden, kleiner Preisunterschied für den Produzenten

Einer der wichtigsten Kritikpunkte am Fair-Trade ist, dass der erhebliche Preisunterschied, den der Kunde bezahlt, nur zu einem geringen Teil an die Produzenten weitergegeben wird. Die Differenz behalten Zwischenhändler ein und auch die Fair-Trade-Organisationen verlangen Gebühren für ihren Verwaltungsaufwand. Bekannt wurde der Fall einer britischen Kaffeehauskette, ­die Fair Trade Kaffe für einen Aufpreis von zehn Pence pro Tasse ­verkaufte, während die Mehrkosten lediglich 0,5 Pence betrugen. Die Differenz behielt offenbar der Betreiber ein.

Förderung der Korruption durch Fair-Trade

Ein weiterer Kritikpunkt ist, dass durch den fairen Handel die Korruption gefördertwerde. Da der wirtschaftliche Erfolg eines Produzenten so nicht von seiner Arbeitsleitung, sondern von der Mitgliedschaft in einer Organisation abhängt, kann dies im korrupten Umfeld, das in den meisten Entwicklungsländern herrscht, die Korruption weiter anheizen. Entscheidungsträger in den lokalen Vertretungen der Fair-Trade-Organisationen können ihre Position missbrauchen, um persönliche Vorteile zulasten der Produzenten zu erhalten.

Fair-Trade: Gut für die Mitglieder, schlecht für die übrigen Produzenten

Die günstigen Weltmarktpreise für viele tropische Agrarprodukte sind Folge eines Überangebots. Durch die Fair-Trade-Politik erhalten einige wenige Produzenten bessere Preise und werden so dazu angeregt, ihre Produktion zu steigern. So steigt das Überangebotweiter und die übrigen Produzenten, die nicht am Fair-Trade-Programm teilnehmen können und so ohnehin bereits in ärmlicheren Bedingungen leben, erzielen so noch schlechtere Preise.

Festigung der Rückständigkeit durch Fair-Trade

Ein weiterer wichtiger Kritikpunkt an der Fair-Trade-Politk ist, dass so die Rückständigkeit der Produktionsbedingungen verfestigt würde. Da die Richtlinien der Fair-Trade-Organisationen zum Beispiel vorsehen, dass die Betriebe familiäre Strukturen haben und weitestgehend auf Mechanisierung verzichten müssen, sind Modernisierungsprozesse in Fair-Trade-Betrieben nicht umsetzbar.

Fazit

Fair-Trade ist sicherlich für die betroffenen Produzenten eine gute Sache, da die Lebensbedingungen schnell verbessert werden. Die große Frage ist jedoch, wie sich Fair-Trade auf die Gesamtgesellschaft der Entwicklungsländer auswirkt und ob so nicht auch die Zukunftsperspektiven der teilnehmenden Produzenten auf lange Sicht verschlechtert werden.

Es bleiben viele Fragen offen, die in der Praxis genau untersucht werden müssen.

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